Kletterpflanzen an der Wand befestigen: Grundlagen
Kletterpflanzen wachsen nicht einfach an jeder Wand hoch: Efeu, Clematis und Kletterrose haben unterschiedliche Kletterstrategien, und die Rankhilfe aus Seilen, Stäben oder Gittern muss dazu passen. Bestimmen Sie zuerst die Wuchsform und prüfen Sie dann die Wand. So vermeiden Sie die häufigsten Fehler: eine Konstruktion, die die Pflanze nicht nutzen kann, oder eine Befestigung, die in der Fassade keinen Halt findet.
Die vier Klettertypen
Selbstklimmer wie Efeu und Wilder Wein halten mit Haftwurzeln oder Haftscheiben direkt am Untergrund. Sie brauchen keine Rankhilfe vor der Wand, wenn die Wand dafür geeignet ist. Bei hohen Begrünungen kann eine zusätzliche Sicherung sinnvoll sein, damit die Pflanze nicht abrutscht.
Schlinger und Winder wie Blauregen und Geißblatt winden ihre Triebe um senkrechte Stützen. Sie brauchen Seile, Stäbe oder Rohre, an denen sie sich hochdrehen können. Ein waagerechtes Gitter nützt ihnen wenig.
Ranker wie Clematis und Wein besitzen Spross- oder Blattstielranken, die nach schmalen Elementen greifen. Für sie eignen sich Gitter oder Netze mit schmalen Streben, an denen die Ranken Halt finden.
Spreizklimmer wie Kletterrosen und Winterjasmin lehnen ihre langen Triebe an und verhaken sich mit Seitentrieben oder Dornen. Sie brauchen waagerechte Streben oder ein Gitter, und ihre Triebe müssen Sie regelmäßig leiten, damit sie in die gewünschte Richtung wachsen.
Eine Rankhilfe, die für eine Wuchsform funktioniert, muss für eine andere nicht taugen. Efeu an einer Seilkonstruktion, die nicht zu seiner Kletterweise passt, hat Schwierigkeiten, wie der Leitfaden der Stadt Wien zeigt.
Die Wand vor der Montage prüfen
Bevor Sie bohren, müssen Sie wissen, woran Sie befestigen. Massives Mauerwerk, Beton, eine verputzte Wand und ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) sind unterschiedlich aufgebaut. Ein WDVS ist eine Fassadendämmung mit einer dünnen Putzschicht; in diese Schicht können Sie keine schwere Rankhilfe schrauben.
Der Bundesverband GebäudeGrün (BuGG) nennt als relevante Lasten nicht nur das Gewicht von Pflanze und Konstruktion, sondern auch Wind, Schnee, Pflegearbeiten und Kräfte, die durch das Pflanzenwachstum entstehen. Bei gedämmten Fassaden ist eine geeignete Verankerung in der tragenden Wand Voraussetzung. Die Befestigung sollte thermisch trennend sein, damit keine Wärmebrücke entsteht, also keine Stelle, an der Wärme nach außen entweicht. Sie sollte außerdem Druck auf das Dämmsystem vermeiden.
Die einfache Regel für Einsteiger: Nicht in die sichtbare Putz- oder Bekleidungsschicht schrauben. Bei gedämmten Fassaden, unklarem Wandaufbau, schweren oder starkwüchsigen Pflanzen und größeren Konstruktionen sollten Sie die Befestigung auf das konkrete System abstimmen. Im Zweifel lassen Sie die Befestigung fachlich planen.
Auch Selbstklimmer sind nicht für jede Wand geeignet. Der BuGG empfiehlt sie nur an intakten, möglichst fugenlosen Fassaden. Bei sensiblen oder sehr porösen Oberflächen sind sie ungeeignet, und Wartungsfugen sowie offene Risse müssen frei bleiben. An einem WDVS sollten Sie Selbstklimmer vermeiden.
Rankhilfe planen und montieren
Die Rankhilfe braucht Abstand zur Wand, damit die Triebe Platz haben und die Fassade abtrocknen kann. Der BuGG nennt als üblichen Richtwert etwa 20 Zentimeter Abstand zur Fassade. Die britische Gartenorganisation RHS empfiehlt in ihrer Anleitung, Stützen etwa 5 Zentimeter von der Oberfläche entfernt anzubringen und die Drähte im Abstand von 30 bis 45 Zentimetern zu spannen. Diese Werte stammen aus unterschiedlichen Anleitungen und Systemen; Sie sollten sie nicht als einheitliche Lösung sehen. System, Pflanze, Wandaufbau und erwartete Triebdicke bestimmen den nötigen Abstand.
Die Auswahlhilfe der Stadt Wien nennt konkrete Maße für die verschiedenen Wuchsformen: Schlinger und Winder bevorzugen senkrechte Elemente im Abstand von 30 bis 80 Zentimetern mit einem Durchmesser von 0,4 bis 5 Zentimetern. Ranker brauchen gitterförmige Konstruktionen mit Gitterweiten von 10 bis 20 Zentimetern und Streben von 0,4 bis 3 Zentimetern Durchmesser. Spreizklimmer kommen mit waagerechten Streben im Abstand von etwa 40 Zentimetern aus, die Gitterweite liegt meist bei 30 bis 50 Zentimetern.
Für Einsteiger genügt die einfache Regel: Ranker brauchen greifbare, eher schlanke Gitterelemente, Schlinger senkrechte Stützen, Spreizklimmer waagerechte Auflagepunkte. Montieren Sie die Rankhilfe vor dem Pflanzen, damit die jungen Triebe sofort Halt finden. Verwenden Sie Material, das für den Außenbereich geeignet ist und der Wuchsstärke der Pflanze standhält. Starkwüchsige Schlingpflanzen wie Blauregen brauchen besonders stabile Stützen.
Junge Triebe richtig anleiten
Eine Rankhilfe allein sorgt nicht dafür, dass junge Triebe sie finden. Die RHS empfiehlt, die Stützen vor dem Pflanzen zu montieren und die jungen Triebe mit weichem Gartengarn anzubinden. Draht oder Kunststoff können Stängel und Blätter verletzen. Beim Pflanzen setzen Sie die Pflanze nach RHS-Empfehlung 30 bis 45 Zentimeter von der Wand entfernt, damit die Wurzeln Platz haben und Regen die Pflanze erreicht.
Die Bindungen müssen Sie regelmäßig kontrollieren. Wenn sie zu eng sitzen, wachsen sie mit der Zeit in die Pflanze ein und schädigen die Triebe. Die Hessische Gartenakademie weist darauf hin, dass Rankhilfe, Pflanze, Wuchsstärke und Wand zusammenpassen müssen und dass Bindungen bei starkwüchsigen Pflanzen besonders sorgfältig zu prüfen sind.







