Schwere Kletterpflanzen sicher an WDVS-Fassaden befestigen
WDVS (Wärmedämmverbundsystem) ist die übliche Fassadendämmung aus Dämmplatten, Armierungsschicht und Außenputz. Schwere Kletterpflanzen wie Glyzinie, Kletterrose oder Trompetenblume lassen sich daran nicht direkt befestigen: Die Dämmung trägt kein Gewicht, und ein Dübel im Putz hält nur wenige Kilogramm.
Sie brauchen eine Rankhilfe mit Abstand zur Wand, deren lange Anker durch die Dämmung bis ins Mauerwerk reichen. Alternativ stellen Sie ein freistehendes Rankgerüst auf.
Warum die Dämmung selbst nichts trägt
Ein WDVS besteht aus mehreren dünnen Schichten. Auf der Dämmplatte liegt eine Armierungsschicht aus Mörtel und Glasfasergewebe, darüber der Putz. Diese Schichten sind zusammen nur wenige Millimeter dick und haben keine Tragfähigkeit. Ein Dübel, der nur in Putz und Dämmung greift, zieht sich unter Last heraus, oft schon bei einer kräftigen Böe. Schwere Kletterpflanzen entwickeln über die Jahre erhebliches Gewicht, und dicht belaubte Triebe wirken bei Wind wie ein Segel. Die Kräfte wirken dabei senkrecht nach unten und waagerecht von der Wand weg.
Dazu kommt die Feuchtigkeit. Jede Bohrung durch den Putz lässt Wasser in die Dämmung eindringen. Wenn Regenwasser hinter die Dämmung läuft, verliert sie ihre Dämmwirkung, und im schlimmsten Fall fault die Konstruktion. Deshalb müssen Sie jede Bohrung sauber abdichten, und die Befestigung muss bis in die tragende Wand reichen.
Anker durch die Dämmung bis ins Mauerwerk
Für die tragende Befestigung nehmen Sie lange Gewindestangen oder spezielle Fassadenanker, die Sie durch die Dämmung bis in die Wand schrauben. Die Länge ist die Dämmstärke plus der Teil, der im Mauerwerk oder Beton verankert wird. An der Außenseite sitzt ein Halter mit Abstand, an dem Sie das Rankgitter oder die Seile befestigen.
Der Abstand zwischen Halter und Wand sollte mindestens zehn Zentimeter betragen, besser zwanzig. So bleibt Luft zwischen Pflanze und Putz, die Fassade trocknet nach Regen schneller, und die Triebe reiben nicht am Putz. Gleichzeitig können Sie die Wand hinter der Pflanze kontrollieren und bei Bedarf streichen oder ausbessern.
Die Bohrung dichten Sie mit einem für WDVS geeigneten Dichtstoff oder einer Butylmanschette ab. Achten Sie darauf, dass die Abdichtung rund um die Bohrung dicht anliegt und keine Feuchtigkeit in die Dämmung läuft. Viele Hersteller von WDVS bieten passende Befestigungssysteme mit Dichtung an, die auf das jeweilige Dämmsystem abgestimmt sind.
Spannseile und Rankgitter mit Abstand
Für schwere Kletterer gibt es zwei Grundsysteme. Beim Spannseilsystem spannen Sie senkrechte oder waagerechte Stahlseile an den Wandhaltern. Die Pflanze rankt an den Seilen hoch, und Sie können die Seile bei Bedarf nachspannen. Das Rankgitter aus Holz oder Metall befestigen Sie ebenfalls an den Haltern; es bietet eine feste Fläche zum Anbinden.
Bei schweren Pflanzen wie Glyzinie oder Kletterrose binden Sie die Triebe zusätzlich an, statt darauf zu vertrauen, dass die Pflanze von selbst rankt. Glyzinien umschlingen zwar alles, aber ihr Gewicht und ihr Wuchsdrang belasten die Konstruktion stark. Kletterrosen können sich nicht selbst festhalten und brauchen eine Führung, an der Sie die Triebe festbinden.
Der Abstand der Halter hängt vom System und der Pflanzenart ab. Bei schweren Kletterern setzen Sie die Halter enger als bei leichten Rankpflanzen, damit die Last auf mehrere Anker verteilt wird. Die Herstellerangaben zu Abständen und maximaler Last gelten für das jeweilige System; prüfen Sie sie vor dem Kauf.
Selbstkletterer an WDVS meiden
Selbstkletternde Pflanzen wie Efeu oder Kletterhortensie haften mit Haftwurzeln direkt am Putz. An einer intakten, massiven Fassade ist das oft unproblematisch, an einem WDVS aber riskant. Die Haftwurzeln dringen in feine Risse und Fugen ein, und der dünne Putz über der Dämmung bietet wenig Widerstand. Mit der Zeit können die Wurzeln den Putz absprengen oder hinter die Dämmung wachsen.
Wenn Sie auf Efeu nicht verzichten wollen, halten Sie ihn mit einem Abstandssystem von der Wand fern. Dazu braucht es trotzdem eine Rankhilfe, an der Sie die Triebe führen, und regelmäßigen Schnitt, damit die Pflanze nicht doch den Putz erreicht. Der Aufwand ist höher als bei einer Rankhilfe für Gerüstkletterer, und viele Fachleute raten bei WDVS davon ab.
Freistehendes Rankgerüst als Alternative
Die schonendste Lösung für eine WDVS-Fassade ist ein Rankgerüst, das nicht an der Wand hängt. Sie stellen es mit Abstand vor die Fassade und verankern es im Boden. Dafür eignen sich stabile Holz- oder Metallkonstruktionen, die Sie in Fundamenten oder mit langen Bodenankern befestigen.
Der Vorteil ist klar: Es gibt keine Bohrungen durch die Dämmung, keine Abdichtungsprobleme und keine Last auf der Fassade. Das Gerüst muss nur das Gewicht der Pflanze und den Winddruck tragen, und das übernimmt der Boden. Der Abstand zur Wand sollte auch hier groß genug sein, damit die Pflanze den Putz nicht berührt und Sie dahinter arbeiten können.
Für sehr schwere Kletterer wie eine ausgewachsene Glyzinie ist das freistehende Gerüst oft die robusteste Wahl. Es hält auch dann, wenn die Pflanze über Jahre dick und schwer wird, und es lässt sich bei Fassadenarbeiten einfach abbauen oder versetzen.







