Wie umweltfreundlich ist ein Blumenversand mit klimaneutraler Zustellung?
Ich habe gerade für den Geburtstag meiner Mutter Blumen im Internet bestellt und dabei gesehen, dass der Versand als klimaneutral beworben wird. Jetzt frage ich mich, wie umweltfreundlich ein Blumenversand mit klimaneutraler Zustellung tatsächlich ist. Wird da nur der Transport ausgeglichen oder zählt auch die Aufzucht, Kühlung und Verpackung mit hinein? Und kann ich überhaupt sicher sein, dass diese Angabe stimmt?
Bei einem Blumenversand bezieht sich „klimaneutrale Zustellung“ nur auf den Pakettransport. Der Anbieter senkt dabei die Emissionen oder gleicht sie durch Klimaschutzprojekte aus. Nicht eingerechnet sind die Schritte davor: der Anbau und die Kühlung der Blumen, ihre Verpackung sowie ihr Transport.
Für die Umweltbilanz spielen auch Herkunft und Anbauweise der Blumen sowie ihr Weg bis zur Haustür eine Rolle. Fragen Sie bei der Bestellung, worauf sich die Angabe bezieht, und bevorzugen Sie saisonale Blumen.
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Was „klimaneutrale Zustellung“ abdeckt
Am Begriff allein erkennen Sie nicht, welche Emissionen der Anbieter berücksichtigt. Die Angabe kann zum Beispiel nur die Zustellung umfassen. Dann zählen der Transport vom Anbauort und der Rest der Lieferkette nicht mit. Fragen Sie deshalb, ob die Angabe für die letzte Strecke bis zur Haustür, den gesamten Versand oder auch den Anbau gilt.
Es macht auch einen Unterschied, wie der Anbieter vorgeht. Er senkt die Emissionen tatsächlich, wenn er zum Beispiel emissionsärmere Fahrzeuge nutzt oder Zustellungen bündelt. Bei einer Kompensation finanziert der Anbieter Klimaschutzmaßnahmen an anderer Stelle. Die Emissionen des Transports entstehen trotzdem. Das Umweltbundesamt empfiehlt, Emissionen zuerst zu vermeiden und zu verringern und erst danach verbleibende Emissionen auszugleichen.
Fragen Sie bei einer Kompensationsangabe nach dem unterstützten Projekt und danach, wie der Anbieter die ausgeglichenen Emissionen berechnet. Achten Sie auch darauf, ob die Finanzierung das Klimaschutzprojekt erst möglich macht. Es sollte nicht ohnehin stattfinden. Der Anbieter sollte außerdem zeigen können, dass dieselbe Emissionsminderung nicht mehrfach angerechnet wird.
Wo die Umweltwirkungen entstehen
Die Umweltbilanz eines Straußes beginnt beim Anbau. Beheizte Gewächshäuser und künstliche Beleuchtung benötigen Energie. Bewässerung und Pflanzenschutzmittel betreffen weitere Umweltbereiche. Zur Bilanz gehören außerdem Verpackung und Kühlung. Hinzu kommt der Transport. Viele in Deutschland verkaufte Schnittblumen werden importiert und gekühlt transportiert. Die Verbraucherzentrale Hamburg weist zudem darauf hin, dass die Herkunft von Schnittblumen für Käuferinnen und Käufer oft schwer zu erkennen ist.
Die Zustellung an die Haustür ist also nur ein Teil der Bilanz. Ein kleiner Karton oder eine ausgeglichene Paketlieferung sagt wenig darüber aus, wie viel Energie der Anbau benötigt hat oder wie die Blumen bis nach Deutschland gelangt sind. Und eine gute Klimabilanz umfasst nicht automatisch alle Umweltwirkungen: Wasserknappheit, Gewässerbelastung und Auswirkungen auf die biologische Vielfalt müssen gesondert betrachtet werden.
Was ein Rosenvergleich zeigt
Eine 2023 veröffentlichte Lebenszyklusanalyse verglich Fairtrade-Rosen aus Kenia mit durchschnittlichen Rosen aus den Niederlanden. Eine Lebenszyklusanalyse betrachtet die Umweltwirkungen eines Produkts über mehrere Stationen, hier von Anbau und Verpackung bis zum Transport in die Schweiz. Die Studie wurde von Fairtrade Max Havelaar Schweiz und dem Migros-Genossenschafts-Bund beauftragt.
| Untersuchte Rosen | Treibhausgasemissionen je Rosenbund |
|---|---|
| Durchschnittliche Rosen aus den Niederlanden | 27 kg CO₂-Äquivalente |
| Fairtrade-Rosen aus Kenia, Luftfracht | etwa 2,9-mal niedriger als der niederländische Durchschnitt |
| Fairtrade-Rosen aus Kenia, Schiffstransport | 1,2 kg CO₂-Äquivalente |
Mit CO₂-Äquivalenten lässt sich die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase in einer Einheit vergleichen. Laut Studie verursachten die untersuchten niederländischen Rosen vor allem durch die Heizung und Beleuchtung der Gewächshäuser hohe Emissionen. Bei den Rosen aus Kenia war der Transport der größte Beitrag; der Schiffstransport verursachte in der Untersuchung 86 Prozent weniger Emissionen als die Luftfracht.
Die Zahlen gelten für die untersuchten Betriebe und Transportwege bis in die Schweiz. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres auf gemischte Sträuße, andere Rosen oder konkrete Blumenlieferungen in Deutschland übertragen. Der Vergleich zeigt, warum die Herkunft allein keine verlässliche Aussage über die Umweltbilanz erlaubt: Ein weiter Transport kann weniger Emissionen verursachen als ein energieintensiver Anbau vor Ort.
In den meisten untersuchten Umweltbereichen schnitten die kenianischen Rosen günstiger ab, laut Studie benötigten sie aber mehr Bewässerungswasser. Eine gute Klimabilanz bedeutet daher nicht automatisch, dass ein Produkt auch bei Wasserverbrauch, Gewässern oder Biodiversität besser abschneidet.
Wann regionale Blumen sinnvoll sind
Regionale Blumen sind besonders dann eine gute Wahl, wenn sie gerade im Freiland wachsen. Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt für Deutschland Mai bis September als Monate, in denen viele Blumen aus Freilandanbau erhältlich sind. Saisonale Freilandblumen brauchen keine beheizten Gewächshäuser und vermeiden weite Transportwege.
Außerhalb der Freilandsaison reicht das Wort „regional“ allein als Entscheidungshilfe nicht aus. Fragen Sie, ob die Blumen im beheizten Gewächshaus angebaut wurden und welche Energieversorgung zum Einsatz kommt. Umgekehrt ist eine importierte Blume nicht automatisch klimaschädlicher, wie der Rosenvergleich zeigt.
Ein Fairtrade-Siegel kann Hinweise auf soziale Standards und bestimmte Umweltmaßnahmen geben. Fairtrade nennt für Blumenfarmen unter anderem wassersparende Bewässerung und Kläranlagen. Auch Abfallmanagement zählt zu den genannten Maßnahmen. Das Siegel beantwortet jedoch nicht die Frage, ob ein konkreter Strauß klimaneutral geliefert wird oder wie hoch seine gesamte Klimabilanz ausfällt.
Worauf Sie beim Bestellen achten
Prüfen Sie zuerst, worauf sich „klimaneutral“ bezieht. Fragen Sie dann, ob der Anbieter die Zustellung tatsächlich emissionsärmer organisiert oder die berechneten Emissionen lediglich kompensiert. Bei einer Kompensation sollte er erklären können, welches Projekt unterstützt wird und wie die Menge der ausgeglichenen Emissionen ermittelt wird.
Achten Sie außerdem auf konkrete Angaben zum Anbau, zur Herkunft und zur Verpackung. Wenn regionale Blumen gerade Saison haben, sind Freilandblumen eine gute Wahl. Ist die Lieferung nicht dringend, wählen Sie keine Expresszustellung, sofern eine langsamere Option angeboten wird. Das Umweltbundesamt berichtet von höheren Emissionen bei Sofortlieferungen typischer Onlinekäufe. Die Untersuchung bezog sich jedoch nicht speziell auf Blumenversand.
Kernaussagen
- Prüfen Sie den Geltungsbereich: „Klimaneutrale Zustellung“ kann sich allein auf den Pakettransport beziehen; Anbau und gesamte Lieferkette liegen dann außerhalb ihres Geltungsbereichs.
- Unterscheiden Sie Reduktion und Kompensation: Emissionsärmere Fahrzeuge und gebündelte Zustellungen verringern Emissionen tatsächlich; Kompensation finanziert Klimaschutz an anderer Stelle.
- Bevorzugen Sie saisonale Freilandblumen: In Deutschland sind sie besonders von Mai bis September eine sinnvolle Wahl.
- Bewerten Sie Herkunft und Anbau gemeinsam: Beheizte Gewächshäuser können die Klimabilanz stärker belasten als ein weiter Transport, doch ein einzelner Rosenvergleich gilt nicht für alle Blumen.
- Beziehen Sie weitere Umweltwirkungen ein: Eine niedrige Klimabilanz sagt nicht automatisch etwas über Wasserverbrauch, Gewässerbelastung oder Biodiversität aus.
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